Gastartikel: Empfehlerpsychologie – Wann Menschen weiterempfehlen und warum sie dies tun

Anne M. Schüller - Zukunftstrend Empfehlungsmarketing

Es folgt ein weiterer Gastartikel von Anne M. Schüller, die hier im Blog bereits mehrfach Erwähnung fand. Es geht diesmal um eins ihrer Spezialthemen: Empfehlungsmarketing. Warum wir uns gern von anderen Menschen Dinge empfehlen lassen und was Firmen tun müssen, um ihre Kunden als Empfehler wertzuschätzen und zu aktivieren erklärt Anne M. Schüller überblickshaft in diesem Artikel und sehr viel genauer in ihrem Buch „Zukunftstrend Empfehlungsmarketing“.

Oft ist es ganz erstaunlich, wie viel Energie Marktteilnehmer bisweilen investieren, um über ihre Lieblingsmarken zu reden und sie anderen schmackhaft zu machen. Um allerdings im Beziehungsdreieck zwischen Empfehlungsgeber, Empfehlungsempfänger und empfohlenem Unternehmen virale Effekte gezielt auszulösen, muss man die Psychologie verstehen, die dabei passiert.

Verlässliche Empfehlungen Dritter geben uns Orientierung und verringern damit das Risiko einer bedrohlichen Fehlentscheidung. Sie ersetzen mangelndes Wissen durch Vertrauen. Sie schaffen Sicherheit. Und sie helfen uns, eine Menge Zeit zu sparen. Sie sorgen, wie die Hirnforscher sagen, für ‚Brain-Convenience‘. Und sowas mag unser Oberstübchen besonders gern.

Warum Empfehlungen uns Menschen so wichtig sind

Wir greifen insbesondere dann auf eine Empfehlung zurück,

  • wenn es schwierig oder aufwändig ist, sich einen Überblick über den jeweiligen Markt, alle Anbieter und ihre Leistungen zu verschaffen
  • wenn Angebote komplex oder stark erklärungsbedürftig sind
  • wenn uns die notwendige Fachkenntnis fehlt
  • wenn uns die notwendige Muße fehlt
  • wenn Produkte verhältnismäßig teuer sind
  • wenn wir ein langfristiges Engagement eingehen müssen
  • wenn wir uns einen Fehlkauf nicht leisten können
  • wenn wir uns nicht entscheiden können
  • wenn es um unsere Sicherheit geht
  • wenn es um ein hohes Maß an Vertrauen geht.

Wenn wir uns also einer Sache nicht sicher sind, hören wir auf die, die ihre praktischen Erfahrungen gutgemeint mit uns teilen. Empfehler sind das Bindeglied zwischen Gewohntem und Ungewissheit. Sie legen die Trittsteine und machen so den Weg ungefährlich und frei. Genau deshalb ist empfohlenes Geschäft auch so leicht zu bekommen.

Und warum werden Menschen als Empfehler aktiv?

Nur, wenn man etwas geboten bekommt, worüber es sich zu reden lohnt – womit man sich also schmücken und bei Anderen punkten kann – nur dann wird man eifrig berichten. Das Empfehlen ist also äußerst emotional. Es muss funken zwischen Anbieter und Kunde. Wen wir nicht leiden können, den empfehlen wir nicht. Und enttäuschte Fans? Sie können im Nu zu kämpferischen Saboteuren werden. Liebe und Hass sind bekanntlich nah beieinander.

Word-of-Mouth setzt also nicht nur bemerkenswerte Produktfeatures, sondern immer auch Beziehungsarbeit voraus. Und dazu werden zwei Dinge benötigt: Menschenversteher-Wissen und Superlative. Mittelmaß wird niemals empfohlen. Erst im Bereich der Spitzen, wenn wir also zutiefst zufrieden oder unzufrieden sind, entsteht die Motivation zum Weiterempfehlen.

Mundpropaganda und Empfehlungsbereitschaft entstehen insbesondere dann,

  • wenn man hiermit seiner Persönlichkeit Ausdruck verleihen kann
  • wenn man dadurch Coolness und Geltungsbedürfnis nähren kann
  • wenn man zum Wohlergehen Anderer beitragen kann
  • wenn man sich durch Insider-Wissen oder als Vorreiter profilieren kann
  • wenn man sich zugehörig und als Teil einer Gemeinschaft fühlen kann
  • wenn man in Entstehungsprozesse mitgestaltend involviert wurde
  • wenn etwas Unterhaltsames oder Sensationelles bereitgehalten wird
  • wenn etwas völlig Neues oder sehr Exklusives offeriert wird
  • wenn etwas überaus Nützliches oder höchst Begehrenswertes angeboten wird
  • wenn es etwas zum Gewinnen oder zum (miteinander) Spielen gibt.

Auf einen Nenner gebracht: Menschen wollen nicht nur Geld und Spaß, sie wollen sich auch als ‚wichtig‘ erleben. Sie wollen Sinnhaftes tun. Und Spuren hinterlassen. Und als geschätztes Mitglied einer Gemeinschaft gelten. Wer ihnen dazu verhilft, dem wird dies mit reichlich Empfehlen vergolten.

Jetzt in aktualisierter Auflage

Anne M. Schüller - Zukunftstrend Empfehlungsmarketing

Anne M. Schüller

Zukunftstrend Empfehlungsmarketing
Der beste Umsatzbeschleuniger aller Zeiten

BusinessVillage, 5. aktual. Aufl. 2011, 135 Seiten
21,80 Euro / 39.50 CHF
ISBN: 978-3869801544

Weitere Infos: www.empfehlungsmarketing.cc


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Kategorie: Buchvorstellung, Gastbeitrag 2 Kommentare »

2 Reaktionen zu “Gastartikel: Empfehlerpsychologie – Wann Menschen weiterempfehlen und warum sie dies tun”

  1. Anne Schüller

    Danke für’s Veröffentlichen.
    Anne Schüller

  2. David Marius (JamBam)

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel! Auch den Meinungen auf Amazon nach zu urteilen ist Ihr Buch sehr empfehlenswert – ich habe es mir sofort bestellt, da in meiner Branche (E-Learning) die persönliche Erfahrung (und Begeisterung!) der Kunden ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.
    Was halten Sie eigentlich von Kawasaki’s „Selling The Dream“? Beim Thema Empfehlungsmarketing denke ich unwillkürlich an „Evangelists“.
    Beste Grüße
    David Marius

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