Werbeanrufe – hätten sie wenigsten Niveau…

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Gestern hab ich einen dieser nervigen Werbeanrufe bekommen. Von einer Versicherung, bei der ich auch tatsächlich Kunde bin – deshalb hab ich mich nicht sofort aufgeregt (obwohl ja selbst in diesem Fall eine ausdrückliche Genehmigung des Angerufenen vorliegen muss). Es stellte sich mir eine hörbar unsichere Frau vor, die im Namen der Versicherung XY anrufe, um für Herrn Müller (den Namen hab ich mir ausgedacht – Knaller, ich weiß…) einen Termin mit mir zu machen. Soweit, so normal. Was Herr Müller aber mit mir zu besprechen hatte, war die reinste Frechheit und der dämlichste Vorwand für einen Vertreterbesuch, den ich je gehört habe.

Schon der Gesprächseinstieg war der erste, billige Telefonpsychotrick. Wie ich sicher wüsste, eröffnete die Dame das Gespräch, sei ja am Anfang des Jahres (Nachtrag: das war bereits 2008) das neue Versicherungsvertragsgesetz in Kraft getreten. An diesem Punkt ehrlicherweise zuzugeben, dass man davon noch überhaupt nichts gehört hat, traut sich kaum jemand und gibt damit gleich am Anfang die „Gesprächshoheit“ ab.

Abendliches Gespräch über das Versicherungsvertragsgesetz

Danach kam aber erst der eigentliche Hammer: Herr Müller möchte unbedingt mit mir über dieses Gesetz reden. Weil es ja jetzt auch viel verbraucherfreundlicher sei. Und es sei vor allem die Pflicht des Versicherungsunternehmens, seine Kunden genauestens darüber aufzuklären. Und deshalb wolle sie jetzt für Herrn Müller mit mir einen Termin machen – gern auch abends. Ja, ne – is‘ klar. Ich hab der Telefonfrau ziemlich direkt gesagt, dass ich eher den Eindruck hab, man möchte einen Vetretertermin ausmachen, um mal ganz unverbindlich über meine Gesamtversicherungssituation zu sprechen.

Keine Auskunft zu Vertragsdetails

Spürbar verunsichert antwortete mir die Dame wie zurechtgelegt: „Über Vertragsdetails weiß ich nichts und darf ich auch nichts sagen.“ – aaahrg! Werbeanrufe sind ansich schon unglaublich nervig und zurecht verboten (vor Jahren habe ich selbst mal im Call Center gearbeitet und suche heute noch nach einem Gewissensausgleich…). Wenn dann aber auch noch versucht wird, den Angerufenen für dumm zu verkaufen, hört der Spaß definitv auf. Wer hat sich einen so dämlichen Gesprächsleitfaden ausgedacht und lässt die armen Call-Center-Agents damit auf die Menschheit los? Bei Kaffee und Kuchen über das Versicherungsvertragsgesetz plaudern – bitte! Das glaubt euch kein Mensch! Spätestens nach dem Termin mit dem Makler fühlt sich jeder Kunde zurecht hintergangen. Kundenbindung und Kundenvertrauen geht anders.

5 Gedanken zu „Werbeanrufe – hätten sie wenigsten Niveau…“

  1. …dann gäbe es aber auch nicht so toll Artikel, wie den hier… :)

    Einfach auflegen ist natürlich eine Methode. Nur bleibt dadurch die eigene Nummer weiter im System, wird immer wieder angerufen und wenn man dann irgendwann merkt, da geht nie jemand ran/wird immer aufgelegt, wird die Nummer evtl. an das nächste Call Center für die nächste Aktion verkauft und der Spaß geht von vorne los.
    Besser ist da, aktiv zu werden. Anrufzeit, wenn möglich Nummer, Name, Firmenname notieren. Darauf bestehen, dass alle persönlichen Daten gelöscht werden und dafür eine schriftliche Bestätigung anfordern. Das schreckt solche Firmen viel eher ab – denn Ärger wollen die auf jeden Fall vermeiden. Das macht natürlich Arbeit – aber evtl. mehrmals die Woche unbegründet zum Telefon zu rennen, macht ja auch Arbeit…

  2. Ich arbeite als Büroangestellter, und es ist schon unfassbar, wie viele dieser Anrufe aus Callcentern man ertragen muss! Nicht wenige davon sogar aus China & Co. Meine Methode: Ich beharre darauf, dass man mir die Telefonnummer gibt, unter der das Gegenüber erreichbar sei. Danach ist das Gespräch überraschend schnell beendet … :-)

  3. Hallo Rainer,

    Werbeanrufe im Büro – das ist tatsächlich sehr, sehr nervig. Und was bekommst du für Anrufe aus China? Ausgelagerte, deutsche Call-Center oder tatsächlich chinesische Firmen?

  4. @ Peter
    Ich denke, das wären tatsächlich lokale Firmen. Es ist ja auch offensichtlich, wie sie ihre Liste zusammenstellen und konsequent ein Unternehmen nach dem anderen belästigen, ohne überhaupt irgendwelche Informationen dazu eingeholt zu haben. Am liebsten würde ich ja bei Anrufen mit Rufnummernunterdrückung gleich wieder auflegen. Aber das ist natürlich nicht gut möglich.
    Wenigstens wurde ich privat noch nicht belästigt. Spam-Mails kann man ja rasch ausfindig machen und löschen. Aber Anrufe?
    Interessant wäre zu erfahren, ob sich die Betreiber solcher Praktiken (die Inhaber, nicht diejenigen, die den Job erledigen) darüber freuen würden, auf gleiche Weise belästigt zu werden.

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